Jakob Göslbauer über seinen Weg als Tänzer und DJ,
die richtige Musik für ein HipHop Battle und warum Foundations auch hinter den Decks eine Rolle spielen
Jakob Göslbauer, besser bekannt als
DJ Sumthinjay oder einfach Jay, kennt HipHop Battles aus zwei Perspektiven: als Tänzer auf der Fläche und als DJ hinter den Decks. Beim
Summer of HipHop in München ist er mittlerweile genau derjenige, der den Sound liefert, auf den Tänzerinnen und Tänzer im Battle reagieren müssen. Im Interview mit Mark Gerowski für den Offstage Podcast spricht Jay darüber, warum ihm das Auflegen bei Battles inzwischen sogar mehr gibt als die eigene Teilnahme als Tänzer, wie er seine Musik auswählt und warum für ihn HipHop weit über einzelne Moves oder bestimmte Beats hinausgeht.
Vom Tänzer zum Battle-DJ
Tanzen und Musik sind bei Jay eng miteinander verbunden. Noch bevor das Produzieren und Auflegen eine größere Rolle spielten, beschäftigte er sich intensiv mit Musik. Schon als Kind spielte er Schlagzeug, später begann er zu tanzen und experimentierte schließlich selbst mit Musikproduktion. Heute steht er weiterhin selbst auf der Tanzfläche und unterrichtet Tanz. Gleichzeitig werden die Anfragen als DJ in der Battle-Szene immer mehr. Dabei hat Jay für sich festgestellt, dass ihm beide Rollen sehr unterschiedliche Perspektiven auf ein Event ermöglichen. Als Tänzer liebt er Battles und Wettkämpfe, beschreibt sich dabei aber auch als sehr fokussiert und angespannt. Während eines eigenen Battles bekommt er von der restlichen Veranstaltung teilweise nur wenig mit. Hinter den Decks sieht das anders aus.
„Ich lieb es zu batteln oder einen Wettkampf mitzumachen als Tänzer, aber als DJ noch mal viel mehr.“
Als DJ kann er das Battle beobachten, die Tänzer wahrnehmen und gleichzeitig selbst Einfluss auf das Geschehen nehmen. Wenn ein Tänzer mit einem von ihm ausgewählten Beat etwas Besonderes macht, ist das für Jay gleichzeitig die Bestätigung: Die Auswahl hat funktioniert.
Was macht einen guten Battle-DJ aus?
Freestyle verbindet Tanzen und Auflegen
Auch als Tänzer fühlt sich Jay im Freestyle besonders zuhause. Zwar tanzt er ebenfalls Choreografien und sieht darin einen wichtigen Bestandteil seiner Entwicklung – unter anderem, weil Choreografie dabei helfen kann, sauberer zu tanzen. Trotzdem zieht es ihn deutlich stärker zum Freestyle. Diese Freiheit findet sich auch hinter den Decks wieder. Jay bereitet seine Musik vor und baut sich seine Collection auf, entscheidet während eines Battles aber aus der Situation heraus, was als Nächstes kommt. Wie ist gerade die Stimmung? Was passiert auf der Tanzfläche? Welche Energie hat der Raum? Genau dort treffen sich für ihn Tanzen, DJing und Musikproduktion.
HipHop braucht Foundations und Knowledge
Besonders wichtig wird das Gespräch, als es um die Grundlagen von HipHop geht. Jay macht deutlich, dass für ihn
Foundations und das Wissen darüber, woher bestimmte Dinge kommen, essenziell sind. Gerade junge Tänzerinnen und Tänzer sehen häufig zuerst die sichtbare Seite des Tanzes: aktuelle Moves, Videos und Schritte. Foundations zu lernen ist dagegen nicht immer der einfachste oder spektakulärste Teil der Entwicklung. Für Jay bilden sie aber die Grundlage für alles, was später daraus entstehen kann. Ähnlich betrachtet er das Auflegen. Auch dort reicht es nicht, technisch einen Song starten oder einen Übergang machen zu können. Entscheidend ist das Verständnis dafür,
was man spielt und warum man es spielt.
Damit wird ein Battle-DJ selbst zu einem Teil der Kulturvermittlung.
HipHop als gegenseitiges Lernen
Im Interview wird deutlich, dass Jay HipHop nicht ausschließlich über Musik oder Tanz definiert. Für ihn sind auch die Werte entscheidend, die ihm auf seinem Weg vermittelt wurden.
Peace, Love, Unity, Having Fun und Each One Teach One nennt er als Prinzipien, die ihn begleiten. Besonders das gegenseitige Lernen findet sich für ihn sowohl beim Tanzen als auch beim gemeinsamen Musikmachen wieder: voneinander lernen, sich gegenseitig respektieren und gemeinsam etwas Neues entstehen lassen.
Diese Haltung zeigt sich auch darin, wie Jay andere Künstler betrachtet. Es muss nicht sein eigener Stil sein. Entscheidend ist für ihn vielmehr, ob jemand wirklich hinter dem steht, was er macht.
„Wenn du da tanzt und du machst es mit 100 %, finde ich es cool. Wenn du Musik machst und machst es mit 100 %, finde ich es cool.“
Für Jay bedeutet HipHop damit auch Wertschätzung für das, was andere in die Community einbringen.
DJ Sumthinjay beim Summer of HipHop in München
Genau diese Verbindung aus
Tänzer, Musikproduzent und Battle-DJ macht die Perspektive von Sumthinjay so interessant. Er weiß, wie es sich anfühlt, auf der Fläche auf einen unbekannten Beat reagieren zu müssen. Gleichzeitig kennt er die andere Seite und trägt als DJ Verantwortung dafür, mit seiner Selection einen Raum zu schaffen, in dem genau diese Momente entstehen können.
Das Interview zeigt deshalb auch, warum der DJ bei einem HipHop Battle weit mehr ist als jemand, der zwischen zwei Runden auf „Play“ drückt. Ein guter Battle-DJ kennt die Musik, versteht die Tänzer, beobachtet die Energie im Raum und hat gleichzeitig den Mut, seinen eigenen musikalischen Geschmack einzubringen.
Bei Jay kommen diese Dinge zusammen – und vielleicht ist genau das der Grund, warum sich
DJ Sumthinjay vom Tänzer aus Graz zu einem immer gefragteren Battle-DJ entwickelt hat.