DJ Sumthinjay im Interview 2026: HipHop zwischen Tanzfläche, Beats und Battle-DJing

Jakob Göslbauer über seinen Weg als Tänzer und DJ,

die richtige Musik für ein HipHop Battle und warum Foundations auch hinter den Decks eine Rolle spielen

Jakob Göslbauer, besser bekannt als DJ Sumthinjay oder einfach Jay, kennt HipHop Battles aus zwei Perspektiven: als Tänzer auf der Fläche und als DJ hinter den Decks. Beim Summer of HipHop in München ist er mittlerweile genau derjenige, der den Sound liefert, auf den Tänzerinnen und Tänzer im Battle reagieren müssen. Im Interview mit Mark Gerowski für den Offstage Podcast spricht Jay darüber, warum ihm das Auflegen bei Battles inzwischen sogar mehr gibt als die eigene Teilnahme als Tänzer, wie er seine Musik auswählt und warum für ihn HipHop weit über einzelne Moves oder bestimmte Beats hinausgeht.


Vom Tänzer zum Battle-DJ

Tanzen und Musik sind bei Jay eng miteinander verbunden. Noch bevor das Produzieren und Auflegen eine größere Rolle spielten, beschäftigte er sich intensiv mit Musik. Schon als Kind spielte er Schlagzeug, später begann er zu tanzen und experimentierte schließlich selbst mit Musikproduktion. Heute steht er weiterhin selbst auf der Tanzfläche und unterrichtet Tanz. Gleichzeitig werden die Anfragen als DJ in der Battle-Szene immer mehr. Dabei hat Jay für sich festgestellt, dass ihm beide Rollen sehr unterschiedliche Perspektiven auf ein Event ermöglichen. Als Tänzer liebt er Battles und Wettkämpfe, beschreibt sich dabei aber auch als sehr fokussiert und angespannt. Während eines eigenen Battles bekommt er von der restlichen Veranstaltung teilweise nur wenig mit. Hinter den Decks sieht das anders aus.


„Ich lieb es zu batteln oder einen Wettkampf mitzumachen als Tänzer, aber als DJ noch mal viel mehr.“


Als DJ kann er das Battle beobachten, die Tänzer wahrnehmen und gleichzeitig selbst Einfluss auf das Geschehen nehmen. Wenn ein Tänzer mit einem von ihm ausgewählten Beat etwas Besonderes macht, ist das für Jay gleichzeitig die Bestätigung: Die Auswahl hat funktioniert.



Was macht einen guten Battle-DJ aus?

Eine der interessantesten Aussagen des Interviews kommt ausgerechnet von einem DJ:

„Als Battle DJ musst du nicht auflegen können.“


Ganz so einfach meint Jay es natürlich nicht. Rein technisch müsse ein Battle-DJ zunächst tatsächlich keine komplizierten Übergänge oder Turntablism beherrschen. Viel entscheidender ist für ihn etwas anderes: Selection und Knowledge. Ein DJ muss wissen, welche Musik er spielt, warum er sie spielt und zu welchem Battle sie gehört. Wer ein HipHop Battle musikalisch begleitet, muss verstehen, welche Musik in diesen Raum gehört. Gleichzeitig geht es darum, mit der Zeit einen eigenen Stil zu entwickeln. Gerade für Tänzer ist dieser Gedanke interessant. Rhythmusgefühl und musikalisches Verständnis bringen viele bereits mit. Die Technik hinter den Decks ist erlernbar. Die eigentliche Herausforderung beginnt dort, wo Musik ausgewählt und ein Battle musikalisch gestaltet werden muss.



Jay hat inzwischen einen eigenen musikalischen Stil entwickelt. Wer ihn bereits bei einem Battle erlebt hat, könne ungefähr einschätzen, was musikalisch auf ihn zukommt. Natürlich gibt es Tracks, bei denen ein DJ ziemlich sicher weiß, dass die Crowd reagieren wird. Genau darin sieht Jay aber nicht die eigentliche Kunst. Spannender wird es, wenn ein DJ Musik spielt, die nicht jeder im Raum kennt – und trotzdem eine Reaktion bei Tänzern und Publikum auslöst. Für seine Auswahl sucht Jay gezielt nach Musik und achtet dabei auch auf die Produktionsqualität. Ein Beat kann musikalisch interessant sein, muss aber auf einer großen Anlage entsprechend funktionieren. Beim eigentlichen Battle bleibt seine Auswahl dann bewusst flexibel.


Damit ähnelt sein Auflegen seinem Tanzen: Freestyle statt festem Ablauf.




Freestyle verbindet Tanzen und Auflegen


Auch als Tänzer fühlt sich Jay im Freestyle besonders zuhause. Zwar tanzt er ebenfalls Choreografien und sieht darin einen wichtigen Bestandteil seiner Entwicklung – unter anderem, weil Choreografie dabei helfen kann, sauberer zu tanzen. Trotzdem zieht es ihn deutlich stärker zum Freestyle. Diese Freiheit findet sich auch hinter den Decks wieder. Jay bereitet seine Musik vor und baut sich seine Collection auf, entscheidet während eines Battles aber aus der Situation heraus, was als Nächstes kommt. Wie ist gerade die Stimmung? Was passiert auf der Tanzfläche? Welche Energie hat der Raum? Genau dort treffen sich für ihn Tanzen, DJing und Musikproduktion.



HipHop braucht Foundations und Knowledge


Besonders wichtig wird das Gespräch, als es um die Grundlagen von HipHop geht. Jay macht deutlich, dass für ihn Foundations und das Wissen darüber, woher bestimmte Dinge kommen, essenziell sind. Gerade junge Tänzerinnen und Tänzer sehen häufig zuerst die sichtbare Seite des Tanzes: aktuelle Moves, Videos und Schritte. Foundations zu lernen ist dagegen nicht immer der einfachste oder spektakulärste Teil der Entwicklung. Für Jay bilden sie aber die Grundlage für alles, was später daraus entstehen kann. Ähnlich betrachtet er das Auflegen. Auch dort reicht es nicht, technisch einen Song starten oder einen Übergang machen zu können. Entscheidend ist das Verständnis dafür, was man spielt und warum man es spielt.


Damit wird ein Battle-DJ selbst zu einem Teil der Kulturvermittlung.

HipHop als gegenseitiges Lernen


Im Interview wird deutlich, dass Jay HipHop nicht ausschließlich über Musik oder Tanz definiert. Für ihn sind auch die Werte entscheidend, die ihm auf seinem Weg vermittelt wurden.

Peace, Love, Unity, Having Fun und Each One Teach One nennt er als Prinzipien, die ihn begleiten. Besonders das gegenseitige Lernen findet sich für ihn sowohl beim Tanzen als auch beim gemeinsamen Musikmachen wieder: voneinander lernen, sich gegenseitig respektieren und gemeinsam etwas Neues entstehen lassen.

Diese Haltung zeigt sich auch darin, wie Jay andere Künstler betrachtet. Es muss nicht sein eigener Stil sein. Entscheidend ist für ihn vielmehr, ob jemand wirklich hinter dem steht, was er macht.

„Wenn du da tanzt und du machst es mit 100 %, finde ich es cool. Wenn du Musik machst und machst es mit 100 %, finde ich es cool.“

Für Jay bedeutet HipHop damit auch Wertschätzung für das, was andere in die Community einbringen.



DJ Sumthinjay beim Summer of HipHop in München


Genau diese Verbindung aus Tänzer, Musikproduzent und Battle-DJ macht die Perspektive von Sumthinjay so interessant. Er weiß, wie es sich anfühlt, auf der Fläche auf einen unbekannten Beat reagieren zu müssen. Gleichzeitig kennt er die andere Seite und trägt als DJ Verantwortung dafür, mit seiner Selection einen Raum zu schaffen, in dem genau diese Momente entstehen können.

Das Interview zeigt deshalb auch, warum der DJ bei einem HipHop Battle weit mehr ist als jemand, der zwischen zwei Runden auf „Play“ drückt. Ein guter Battle-DJ kennt die Musik, versteht die Tänzer, beobachtet die Energie im Raum und hat gleichzeitig den Mut, seinen eigenen musikalischen Geschmack einzubringen.


Bei Jay kommen diese Dinge zusammen – und vielleicht ist genau das der Grund, warum sich DJ Sumthinjay vom Tänzer aus Graz zu einem immer gefragteren Battle-DJ entwickelt hat.


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